Zur Erinnerung: Jesaja war der vielleicht bekannteste jüdische Prophet, der um 700 v.Chr. in Jerusalem und Umgebung gewirkt hat. Ob er Schokolade gegessen hat, wissen wir nicht. Höchst wahrscheinlich nicht, obwohl ein bitterer Kakaotrank zu seiner Zeit in Mittelamerika bereits bekannt war.

Wir aber essen an Weihnachten Schokolade. Und Schokolade steht für den ganzen materiellen Überfluss, der mit Weihnachten verbunden ist. Er hat heute Weihnachten so vereinnahmt, dass der eigentliche Anlass dafür, warum wir Weihnachten feiern, zum grossen Teil verloren gegangen ist. Historisch ist es aber eindeutig: Ursprung von Weihnachten ist die Geburt von Jesus Christus. Sie hat vor rund 2000 Jahren stattgefunden. Die Kakaobohne und die daraus entwickelte Schokolade trat ihren Siegeszug nach Europa und um die Welt erst nach der Entdeckung von Amerika durch Columbus an und der heutige praktische Materialismus ist ohnehin erst knapp 50 Jahre alt.

Eines aber steht fest: Jesaja hat ein Weihnachtswort ausgerufen, das mit der Geburt von Jesus fassbare Realität geworden ist. Ein Wort, das durch alle Jahrhunderte hindurch bis auf den heutigen Tag höchste Aktualität hat:

«Die Menschen, die im Finstern leben, sehen ein grosses Licht; hell strahlt es auf über denen, die ohne Hoffnung sind.» (Jesaja 9, in enger Anlehnung an die Übersetzung «Hoffnung für alle»)

Wenn wir einmal von der historischen Situation absehen, in die hinein Jesaja damals gesprochen hat, und dieses Wort nur in seiner heutigen Aktualität bedenken, so erscheint dieser Rufer doch ziemlich arrogant. Wer würde heute in einer Zeit höchster wissenschaftlicher und technologischer Errungenschaften zu behaupten wagen, dass wir «im Finstern leben». Im Klartext heisst das doch, dass unser Erkennen und Denken verdunkelt ist. Wir Heutigen sehen das anders: Das Mittelalter war das «dunkle» Zeitalter. Technologisch, wissenschaftlich wissen und können wir heute unendlich viel mehr. Unsere Zeit hat sehr viele wunderbare Errungenschaften hervorgebracht: Freiheit, technische Hilfsmittel, Würdigung der Frauen, Individualität, Achtung von Minderheiten, Rücksichtnahme auf die Schöpfung, starke Sozialsysteme, verstärktes Bewusstsein von Solidarität, Ablehnung von Krieg und Gewalt.

Aber im ethischen, im zwischenmenschlichen Bereich? Gleiten wir da nicht in zunehmende Finsternis ab (aussereheliche Fremd-Samenspende, Polyamorie, teilweise ausbeuterische Arbeitsbedingungen, unfassbare Geldgier im Immobilien- und Bankensektor)? Ist nicht auch das Dunkelheit in unserer Gesellschaft, wenn in der Schweiz jedes Jahr über 10’000 Kinder nicht zu uns in die Welt kommen dürfen? Sie beginnen jetzt schon überall zu fehlen. Ist diese Todeskultur nicht Finsternis? Führt unser materialistisch geprägter Individualismus (Egoismus) nicht in die Dunkelheit zerbrochener Beziehungen, in schmerzende Vereinsamung? Ist unser materialistisches Weltverständnis nicht verdunkelnde Einschränkung? Rühren diese Fragen nicht an düstere Widersprüche in unserer Zeit? Es ist nicht einfach die Dunkelheit der kurzen Wintertage, die im Advent und um Weihnachten Menschen lähmt. Es ist auch – oder vielleicht hauptursächlich – die Hoffnungslosigkeit in unseren Herzen.

Es gibt so viele Menschen ohne Hoffnung auf dieser Welt: Migranten, die an den Stacheldrahtzäunen der Durchgangs- oder Zielstaaten hängen bleiben, zum Spielball politischer Interessen werden. Aber auch unter uns gibt es Menschen, die keine Hoffnung haben, die mit unerfüllten Wünschen leben müssen, die vor der Unausweichlichkeit einer Krankheit oder des Todes jede Hoffnung verloren haben. Auch wenn sie bei uns nicht physisch verhungern, lechzen ihre Seelen im materiellen Überfluss nicht nach Annahme und Sinn? Diese Menschen sind unauffällig und verbergen ihre Not oft hinter einem freundlichen Lächeln. Menschen ohne Hoffnung, für die die gleissenden Shopping-Malls nur Dunkelheit und Hohn sind.-

Würde Jesaja, wenn er heute unter uns leben würde, über Instagram oder WhatsApp noch so zu uns reden? Zu Menschen, die «im Finstern leben»? Wir wissen es nicht. Aber: durch sein Weihnachtswort, das uns die Bibel ziemlich getreu überliefert, tut er es immer noch.

Jesaja bleibt jedoch nicht bei der Finsternis stehen. Die Dunkelheit ist nur der Ausgangspunkt seiner Prophetie, sozusagen die Diagnose. Jesaja redet von einem grossen Licht, das hell aufstrahlt über denen, die ohne Hoffnung sind. Aber über all dieser Hoffnungslosigkeit, dieser Dunkelheit strahlt ein helles Licht, ruft uns Jesaja zu. Gleichsam die Therapie, der Ort der Hilfe. Was Jesaja nicht wissen konnte, können wir heute auf Grund biblischer Berichte und persönlicher Erfahrung wissen: Mit der Geburt von Jesus ist die Finsternis zu Ende. Sein helles Licht strahlt über allen, die keine Hoffnung haben. Jesus Christus ist das Licht, von dem Jesaja Jahrhunderte im Voraus gesprochen hat. ER ist die Hoffnung in aller Dunkelheit.

Licht im biblischen Sinne meint nicht Erleuchtung durch irgendeine unpersönliche kosmische Energie, sondern letzte Wahrheit, Anfang und Ende, Alles in Allem, und v.a. Beziehung: Die Liebe des himmlischen Vaters, der sich in Jesus, seinen Söhnen, seinen Töchtern zuneigt und ihnen nahe sein will. Das gibt Geborgenheit.- In Jesus erkennen wir das Licht, das über der hell erleuchteten Finsternis unseres materiellen Überflusses scheint. In IHM erkennen wir, dass Hoffnung auf seine Nähe, auf seine Annahme und Barmherzigkeit hier und jetzt und auf das ewige Leben, berechtigt ist. Unter seiner Leitung, in seinen Ordnungen, kann es gelingen, dass die oben erwähnten positiven modernen Errungenschaften uns erhalten bleiben und uns davor bewahren, sie bald eigenhändig zu verderben.

Im Licht von Jesus werden Advent und vor allem Weihnacht wirklich zu Weihnacht, zur geweihten, einmaligen Nacht, zum zentralen Ereignis in der Menschheitsgeschichte, durch das sich der einzige Gott des Universums uns Menschen behutsam angenähert hat und nahe bleibt. So wird die feine Schweizer Schokolade aus der Pralinenschachtel zu einer sanften Erinnerung an das grosse Geschenk Gottes. Gerade auch für die Hoffnungslosen, wenn wir mit ihnen unser Leben und unsere Freude ganz praktisch teilen.

Lieber Leser, liebe Leserin, kennen Sie Menschen, die ohne Hoffnung sind?

Oder sind Sie gar selber einer?

Bitte reden Sie zu diesen Menschen von diesem Licht Jesus Christus. Oder als selbst Betroffene(r) vertrauen Sie Ihr Leben diesem Licht an. Ganz simpel, indem sie die Worte des Propheten Jesaja allein in Ihrem Zimmer laut aussprechen:

«Die Menschen, die im Finstern leben, sehen ein grosses Licht; hell strahlt es auf über denen, die ohne Hoffnung sind.». Und fügen Sie einfach hinzu: «Dieses Licht bist du, Jesus. Zeige dich mir!» Immer wieder. Das ist ein Gebet, das der lebendige Gott hören wird, weil es aus Ihrem Herzen kommt.

Hansjörg Baldinger

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Nein, ich meine nicht den kleinen, aber feinen christlichen Buchladen beim alten Bahnhof bei uns in Laupen. Der wäre einen eigenen Blog wert, denn: lang nicht jedes kleine „Stedtli“ hat so etwas vorzuzeigen…

©Lukas Graber, Ukraine, Sommer 2007, handgefertigt, ohne Eisen

Nein heute geht es um den Schlussstein in alten gemauerten Brücken oder Gewölben aus der Zeit vor den Eisenbetonkonstruktionen. Eckstein oder Schlussstein heisst der Stein, der als letzter in ein Gewölbe eingesetzt wird, bevor das Baugerüst entfernt wird. Er verhindert, dass die Brücke oder das Gewölbe einstürzen.

Der Eckstein als Metapher (Sinnbild) wird in der Bibel gleich an mehreren Stellen erwähnt, z.B. im Plädoyer von Petrus vor dem jüdischen theologischen Rat in Jerusalem. Dieser „Hohe Rat“ hatte Petrus und Johannes verhaften lassen, zwei Männer aus dem engsten Kreis um Jesus, die nach dessen Tod und Auferstehung zu den Hauptleitern der jungen christlichen Kirche gehörten. Ihre „Straftat“ bestand darin, dass sie einen ca. 40 Jahre alten, von Geburt an gelähmten Mann durch Gebet geheilt hatten. Diese Heilung muss stattgefunden haben, denn sonst hätte dieses Schnellgerichtsverfahren gar nicht stattgefunden.

Auf die Frage der gelehrten Ratsherren, in welcher Autorität, in wessen Vollmacht Petrus und Johannes diesen Mann geheilt hätten, fasst Petrus, der ehemalige Fischer vom See Genezareth, schlicht die Fakten vom Geschehen um Jesus zusammen, das sich nur wenige Monate zuvor zugetragen hatte. Dabei macht er u.a. folgende Aussage:

„Es geschah im Namen von Jesus Christus aus Nazareth, den ihr habt kreuzigen lassen und den Gott von den Toten auferweckt hat. Seine Kraft hat bewirkt, dass dieser Mann hier gesund vor euch steht. Jesus Christus ist der Stein, den ihr, die Bauleute, voller Verachtung beiseitegeschoben habt und der zum Eckstein geworden ist. Bei niemand anderem ist Rettung zu finden; unter dem ganzen Himmel ist den Menschen kein anderer Name gegeben, durch den wir gerettet werden können.“ (Bericht über die Taten der Apostel („Apostelgeschichte“) 4, 10-12*).

Was der ungebildete Petrus vor diesem Gremium von sich gibt, ist eine unglaubliche Provokation, die dem damaligen jüdischen Mainstreamdenken total widersprach. Die Entrüstung der Mächtigen, die in religiösen und gesellschaftlichen Fragen das Sagen hatten, muss gewaltig gewesen sein, aber sie mussten die beiden Männer freilassen, weil die Fakten unwiderlegbar waren: Die Menschen in der Stadt kannten den gelähmten Mann und konnten mit eigenen Augen sehen, dass er nun geheilt war.

Die Mitglieder des Hohen Rates sind unsanft auf den Eckstein Jesus Christus aufgeprallt, den sie als „erledigt“ glaubten. Die Autorität von Jesus hat ihnen im schlichten Gebet und Zeugnis dieser beiden einfachen Männer einen Strich durch ihre Rechnung (Strategie) gemacht.

Was Petrus sagte, gilt heute noch genau so wie damals vor bald 2000 Jahren. Ich bin mir bewusst, dass die Provokation heute im aufgeklärten Europa unvermindert da ist. Wir können das Geschehen um Jesus aus unserem Denken eliminieren, in den Rahmen persönlicher Frömmigkeit verbannen, es damit aber nicht ungeschehen machen. Wir können die christlichen Werte, die Freiheit und Ordnung brachten und die Basis für Europas Erfolg bilden, umdeuten, wahr als unwahr deklarieren, eine neue Gesellschaftsordnung ohne Gott aufbauen wollen. In diesem Prozess stehen wir heute mitten drin und es ist jetzt schon abzusehen, dass wir unweigerlich in der einen oder andern Form an diesem Eckstein Jesus scheitern werden. Das haben die beiden prägenden Gesellschaftsentwürfe des 20. Jahrhunderts (Marxismus, Nationalsozialismus) überdeutlich gezeigt. Der Grund dafür ist einfach: Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in alle Ewigkeit. (Brief an die Hebräer, 13,8).

Das mutet alles so simpel an. In Realität sind darunter Generationen übergreifende Prozesse zu verstehen, wie z.B. die gezielte Dekonstruktion der christlich geprägten Ehe und (Gross-)Familie, die letztlich zur Entwurzelung des Individuums führen wird.

Langfristig werden nicht Covid-Patienten unsere Spitäler überbelegen, sondern die psychiatrischen Kliniken sind heute schon längst an ihren Kapazitätsgrenzen. Daran werden tiefe, innere Zusammenhänge fassbar, die im Skandieren verkürzter Gleichstellungs-Schlagworte völlig untergehen, aber trotzdem wirksam sind.

Noch aber ist nicht aller Tage Abend! Die Botschaft von Petrus beinhaltet eine grandiose Zusage: Im Namen von Jesus Christus ist „Rettung“, Hilfe, Bewahrung, Segen. Aber wir müssen erkennen, dass wir als Einzelne und als Nation „Rettung“ (Abhilfe von aussen) nötig haben und den Namen von Jesus ernsthaft anrufen sollen. Durch den Verlust der Mitte (Gott und sein Wort) wird unsere Gesellschaft immer widersprüchlicher werden, die gegensätzlichen Meinungen immer heftiger aufeinanderprallen, die Demokratien unregierbarer. Aber der Eckstein wird sich nicht ändern. Er ist Anker und Halt in einer innerlich zerfallenden Gesellschaft.

Hansjörg Baldinger

*Neue Genfer Übersetzung

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Kennen Sie den Satz? Schon einmal gehört oder selber ausgesprochen?

Der Satz ist richtig und falsch zugleich.

Richtig ist, dass kein Mensch einen andern „bekehren“ kann. Gott sei Dank ist das so! Aber dass es in der Menschheitsgeschichte immer wieder zu „Bekehrungsversuchen“ gekommen ist und immer noch kommt, ist eine tragische Tatsache. Gerade die eben entdeckten und noch zu entdeckenden Kindermassengräber in Kanada sind ein erschütterndes Beispiel für die Aktualität dieses Phänomens. In Kanada scheinen sich Staat und Kirche in die traurige Verantwortung teilen zu müssen. Es sind auch sonst gar nicht immer nur die christlichen Kirchen, die Menschen „bekehren“, zum Umdenken zwingen wollten. Gerade im 20. Jh. haben innert nur 50 – 70 Jahren zwei atheistische Ideologien weltweit vermutlich einiges mehr an Todesopfern gefordert als die ganzen 2000 Jahre Kirchengeschichte zusammen. – Vermutlich sind wir uns alle einig, dass der Satz im Titel eigentlich heissen muss: „Du darfst mich nicht bekehren (wollen)!“

Falsch ist der Satz im Titel aber deswegen, weil er ein allgemein verbreitetes Missverständnis zum Ausdruck bringt: Christen, v.a. aus Freikirchen, wollen andere „bekehren“, „missionieren“. „Freikirchen müssen ja missionieren, um damit ihr Überleben zu sichern“, hört man oft. Solche Begriffe und Aussagen beruhen nicht nur auf Missverständnissen, sondern bringen – medial seit Jahrzehnten geschürte – Unterstellungen zum Ausdruck. Wie in allen Gruppierungen gibt es auch unter Christen schwarze Schafe, die Menschen aus Übereifer oder eigenen psychischen Defiziten „bearbeiten“, um sie auf „ihre Linie zu bringen“. Diese Tendenz, hat ihre Ursache nicht im christlichen Glauben, sondern ist ein grundlegender Wesenszug der Menschen, der in allen Weltreligionen und Ideologien immer wieder krass durchschlägt. Unsere moderne Welt ist voll ideologischer Manipulation. Wehe dem, der in irgendeinem Bereich zu deutlich die Mainstream-Meinung („political correctness“) in Frage zu stellen wagt!

Was aber meint Bekehrung im biblischen Sinn? Im heutigen Sprachgebrauch wird die Bedeutung dieses Wortes besser mit „Umkehr“ oder „Umdenken“ wiedergegeben. Jesus selber, die Evangelien und die Christen, die sich auf Jesus und Bibel berufen, rufen zu dieser Umkehr, zu diesem Umdenken auf. Das ist keine Manipulation, sondern schlichte Einladung. Christen laden alle Menschen dieser Erde, ungeachtet von Rasse, Geschlecht, sozialer Stellung etc. zur Umkehr unter die Leitung von Jesus Christus ein. Umkehr von einem Leben ohne Gott zu einem Leben mit Gott, zu einem Leben, in dem Gottes Wort und Wille erste Priorität haben. Das ist ein existenzieller Richtungswechsel. Wer seine persönliche Autonomie (selbstbestimmtes Leben) aufzugeben bereit ist und sich in die Abhängigkeit von Gott, wie er in der Bibel dargestellt wird, begibt, der „bekehrt“ sich. Vielleicht auf Einladung der Bibel selber oder eines Christen, einer Christin. Freiwillig. Eigenständig, aber unter Einwirkung des Heiligen Geistes, der nötig ist, um die Bibel und die Realität Gottes zu erkennen.

Christen sind nicht „bessere“ Menschen, aber sie sehnen sich danach, in der Gegenwart Gottes ihr Leben verändern zu lassen. Sie wissen, dass sie allein aus der Gnade und Barmherzigkeit von Jesus vor Gott bestehen können. Sie erkennen ihre Bedürftigkeit vor Gott und lassen es zu, dass Gottes Wort und der Heilige Geist ihr egoistisches Wesen in das Bild verändern, das Gott sich für uns Menschen wünscht. Sie vertrauen darauf, dass der Tod von Jesus am Kreuz ihre persönliche Schuld / Sünde nachhaltig entsorgt hat und sie nach dem Tod ewiges Leben in Gottes Gegenwart erwarten dürfen.

Diese Einladung zur Umkehr unter die Führung Gottes ist dringlich. Der Evangelist Markus fasst die Botschaft von Jesus kurz und bündig zusammen, wenn er Jesus zitiert:

„Die Zeit ist da. Gott ist uns ganz nahegekommen. Kehrt um und glaubt dieser guten Botschaft!“(Markus 1, 14) *

Umkehr ist die ureigenste Botschaft der christlichen Kirchen und Gemeinden überall auf der Welt, durch alle 2000 Jahre seit Jesus. Diese Botschaft stellt vor eine Alternative: Ablehnung oder Annahme. Da gibt es keine Stellvertretung oder Manipulation. Diese Entscheidung trifft jede(r) für sich. Nicht Gott wird uns einst als „böser Polizist“ richten, sondern wir sind unsere eigenen Richter, je nachdem wie wir uns aus-„richten“. Oder wie der Evangelist Johannes (Jo. 3,16-19) es formuliert:

16 Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben.

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht dazu in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.

19 Darin besteht das Gericht, dass das Licht [Jesus] in die Welt gekommen ist, die Menschen aber die Finsternis mehr geliebt haben als das Licht…“

Leben heisst wählen!

Hansjörg Baldinger

*zitiert auf Grund moderner deutscher Übersetzungen

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lachen einige der herbeigelaufenen Zuschauer verächtlich. Andere wiederum staunen zutiefst verwirrt und versuchen zu verstehen, was da abgeht: Aus dem Haus, wo sich die Anhänger der „neuen Sekte“ um Jesus eingefunden haben, kommt grosser Lärm. Die dort Versammelten beten laut durcheinander. Vor dem Haus läuft ein multikulti Haufen von Menschen aus dem ganzen Römischen Reich zusammen. Die Herbeigelaufenen hören voll Erstaunen, wie diese ungelehrten Menschen im Haus drin in je der eigenen Sprache der Zuschauer sprechen. Die Betenden reden von dem, was der lebendige Gott in der Geschichte der Menschen getan hat. „Das ist unmöglich“, sagen die Beobachter draussen vor dem Haus zu einander – und doch, ihre Ohren trügen nicht. Die im Haus drin berichten eindeutig auf Lateinisch, Aramäisch, Irakisch, Iranisch, Aegyptisch, Libysch, Kretisch, Griechisch und Arabisch von Gottes Wirken. Was soll denn das? –

Jerusalem – in den frühen 30er Jahren unserer Zeitrechnung. Vermutlich Tausende von jüdischen Gästen aus dem ganzen römischen Reich haben sich zum grossen Erntefest in Jerusalem eingefunden. Die Stadt ist überfüllt. Sie alle sprechen neben Aramäisch auch die Sprache ihrer Herkunftsgebiete.

Über 100 Anhänger von Jesus, seine engsten 12 Jünger, nicht wenige Frauen, darunter auch Maria, die Mutter von Jesus, und seine Brüder haben sich zum Gebet versammelt, als der Heilige Geist sich akustisch wie ein starker Wind und optisch als Feuerflämmchen auf die Versammelten im Haus drin niederlässt und diese in übernatürlicher Freude Gott anbeten lässt.

Sie sind nicht in Ekstase, wie sie in religiösen Stammesfeiern auftritt, leiden auch nicht unter Verlust der Selbstkontrolle wie Alkoholisierte, sondern der Heilige Geist hat sie mit unaussprechlicher Freude erfüllt und befähigt, Gott in einer ihnen selbst unbekannten Sprache anzubeten. Als dieses Wirken des Heiligen Geistes zu Ende geht, sind die betroffenen Menschen nicht erschöpft und haben auch keinen brummenden, sondern einen sehr klaren Kopf, denn sogleich tritt jetzt Petrus, eben in der Kraft dieses Heiligen Geistes, vor die teils ratlose, teils spottende Menge vor dem Gebäude und erklärt ihr das Geschehen in einer spontanen Rede.

Ähnlich dramatische Erfahrungen mit der Gegenwart des Heiligen Geistes haben ganze Gruppen und Einzelmenschen seither durch alle Jahrhunderte hindurch bis auf den heutigen Tag gemacht. Zum Beispiel der berühmte französische Universalgelehrte Blaise Pascal (vgl. Fragment 913, Le Mémorial) oder der englische Prediger John Wesley. Das bedeutet aber nicht, dass man das Wirken des Heiligen Geistes nur auf diese Weise erfahren könnte oder sogar müsste. Sicher aber ist Eines: Die Bibel macht uns eindrückliche Zusagen, wonach Gott uns den Heiligen Geist sehr gerne schenkt, wenn wir ernsthaft darum bitten. Wenn wir Gott, wie ihn die Bibel uns wunderbar beschreibt, von ganzem Herzen suchen, uns IHM unterstellen, können wir davon ausgehen, dass der Heilige Geist in uns kommen wird. Viele von uns werden nach einem Gebet um den Heiligen Geist nichts Besonderes merken, aber vielleicht auf einmal beobachten, dass ein biblischer Text mitten in eine persönliche Situation hineinspricht, hier und jetzt. Ein solcher Moment ist ein deutliches Anzeichen dafür, dass der Heilige Geist bei uns am Wirken ist. Oder es wächst in uns die Sehnsucht, dem lebendigen Gott zu begegnen, bei IHM Annahme und Geborgenheit zu finden. Oder jemand erkennt die Abgründe seines eigenen Herzens, das Negative in seinen Gedanken oder Emotionen.

Der Heilige Geist schenkt den Menschen, die IHN in ihr Leben einladen, auch „Gaben“, Begabungen, die der christlichen Gemeinde und darüber hinaus allen Menschen dienen sollen, z.B. die Fähigkeit zu leiten, biblische Grundwahrheiten zu lehren, prophetische Einsicht zu bekommen, andern Menschen das Evangelium zu erklären, für Kranke um Heilung zu beten, andern auf verschiedenste Arten praktisch zu dienen, den Willen Gottes in einer konkreten Situation zu erkennen, oder eben in einer anderen Sprache zu beten („Zungenrede“, Glossolalie) etc. Der Umgang mit solchen „Gaben des Heiligen Geistes“ erfordert Glauben, Demut, Sorgfalt, Lernbereitschaft und wachsende Erfahrung. Aber sie sind Geschenke Gottes an uns.-

Petrus nun schliesst seine Pfingstpredigt vor der erstaunten Menge in Jerusalem mit den Worten: „Kehrt um, …. und ein jeder von euch lasse sich auf den Namen von Jesus Christus taufen! Dann wird Gott eure Sünden vergeben, und ihr werdet seine Gabe, den Heiligen Geist, bekommen. Denn diese Zusage gilt euch und euren Nachkommen und darüber hinaus allen Menschen auch in den entferntesten Ländern…“  *

Also auch uns heute hier in Laupen.

Hansjörg Baldinger

* Lesen Sie jetzt Apostelgeschichte 2, 14-41

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Ja, wenn wir das wüssten!  Macht die Frage eigentlich Sinn? Gibt es nicht schlauere Fragen im Corona-Zeitalter? Und warum stellen wir sie uns, aus Interesse an Sex oder – an Gott?

Die Frage lässt sich so nicht beantworten, weil Gott unsichtbar und ausserhalb von Raum und Zeit existiert. Und dennoch macht es Sinn, sie zu stellen.

Aus dem einfachen Grund, weil wir etwas zu diesem Thema mit grosser Wahrscheinlichkeit wissen können: Der dreieinige Gott (Vater, Sohn und Heiliger Geist) lebt in sich eine innige, herzliche Beziehung, die an Intensität und Schönheit jede sexuelle Vereinigung weit übertrifft. Eine Intensität und Schönheit, die an gegenseitiger Liebe, Wertschätzung und Annahme alles übertrifft, was wir Menschen auch nur im Entferntesten erahnen können.

Aus dem einfachen Grund, weil wir etwas zu diesem Thema mit grosser Wahrscheinlichkeit wissen können: Der dreieinige Gott (Vater, Sohn und Heiliger Geist) lebt in sich eine innige, herzliche Beziehung, die an Intensität und Schönheit jede sexuelle Vereinigung weit übertrifft. Eine Intensität und Schönheit, die an gegenseitiger Liebe, Wertschätzung und Annahme alles übertrifft, was wir Menschen auch nur im Entferntesten erahnen können.

Unsere Sprache allerdings „verrät“ uns: „Sex haben“ verweist auf Besitz, Konsum, autonome Verfügung, auf Lustgewinn. „Sex“ als Kurzform von Sexualität deutet auf Eile und Ungeduld hin. „Sex haben“ impliziert die Abspaltung von Sexualität und tatsächlicher Liebe – und von Fruchtbarkeit. Christliche Liebe hat zuerst mit Hingabe an das Gegenüber zu tun. Wirklich Liebende vertrauen sich einander ganz an. Liebe in diesem umfassenden Sinn hat viel mehr mit gegenseitiger Verantwortung für einander als mit momentanem Einverständnis zu tun. Liebe hat mit Treue und Verlässlichkeit zu tun. Wirklich Liebende versprechen sich gegenseitig: „Ich übernehme Verantwortung für dich, ich bin für dich da, ich stehe zu dir, ich verlasse dich nicht.“ Diese Worte sprechen die Vision aus, die wir in unserer Schwachheit nicht immer vollkommen leben, aber prozesshaft lernen können. Aber ohne diese Vision verlieren wir schnell die Richtung.

In diesem schützenden Rahmen von gegenseitiger Verantwortung und Hingabe kann sexuelle Gemeinschaft sich voll entfalten. Das ist Gottes Idee, Gottes Ordnung. Sie ist nicht Einschränkung, sondern Schutz und Voraussetzung, dass „es“ dauerhaft funktioniert und nicht über kurz oder lang in Resignation oder Schmerz endet.

Der dreieinige Gott hat vermutlich nicht Sex, wie wir ihn uns träumen, aber Gott hat uns mit der Sexualität ein Geschenk gemacht, ein Abbild seiner Liebe gegeben. Er möchte nicht nur, dass Sexualität gelingt, sondern dass wir seine unglaublich grosse Liebe zu uns mit ihm teilen.

Wenn wir bewusst in der Geborgenheit von Gottes Liebe und Ordnung zu leben versuchen, ist Einsamkeit und Leere, wie sie die aktuelle Pandemie mit sich bringt, weniger belastend. Gott ist immer da. Tag und Nacht. In einer verbindlichen Beziehung mit ihm können wir Liebe leben lernen, Liebe zu ihm und Liebe untereinander. In dieser dreifachen Beziehung finden wir umfassenden Schutz, denn Gott verspricht: „Ihr werdet mich suchen und mich finden, denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.“ *

Gerade in der Corona-Zeit.

Hansjörg Baldinger

*Jeremia 29, 13+14

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Der Impfstoff ist da. Das Ende der Pandemie in Sicht. Wir schmieden schon wieder Pläne für die Zeit danach. Es kann sich nur noch um Monate handeln…?

Es ist längst alles, aber auch wirklich alles für, gegen, über, um, zu, wegen Corona und Impfung gesagt, geschrieben, kritisiert und gefordert worden. Bis zum Überdruss.

Wirklich alles?

Da ist noch etwas beizufügen, das in der ganzen Aufregung unterzugehen droht.  Haben Sie zwischendurch nicht an sich Gedanken, Gefühle oder Reaktionen beobachtet, die Sie vor der Krise so nicht wahrgenommen haben? Wut über die Einschränkungen im täglichen Leben? Vorsicht? Angst?

Angst – vielleicht nicht direkt vor dem winzigen Ding, aber vor seinen wirtschaftlichen Auswirkungen. Oder einfach davor, dass Vieles nicht mehr ist wie gewohnt. Unsicherheit, weil was vorher als sicher galt, unsicher geworden ist.  

Über Angst redet man nicht gerne. Aber wir müssen darüber reden.

Wir müssen darüber reden, dass das Weltverständnis, das wir in den letzten Jahrzehnten uns zu eigen gemacht haben, sehr zerbrechlich ist. Ich meine die Ansicht, dass wir es sehr weit gebracht haben, wirtschaftlich, technisch, wissenschaftlich, dass wir die anstehenden Probleme mit gutem Willen werden lösen können. Dass die „bessere Welt“ nur noch eine Frage der Zeit sei.

Das kleine Ding hat diese Überzeugung erschüttert. Die Pandemie hat bspw. wenige noch reicher gemacht und viele, zu viele in den Ruin getrieben.

Warum konnte es so weit kommen? Nur weil die Chinesen Fledermäuse essen oder das Virus aus dem Labor entwischen konnte?  Auf solche Fragen gibt es keine befriedigenden Antworten. Unser Kausaldenken greift zu kurz. Wir wissen ziemlich viel über Viren, wir wissen, wie wir uns gegen die negativen Sorten dieser Spezies schützen können. Wir wissen, dass sie mutieren. Aber wir können nicht erklären, warum die anfängliche Virusvariante in dem Moment mutiert, da der erste Impfstoff gefunden wird. Warum ist diese Art Virus jetzt und nicht vor zehn oder erst in 20 Jahren aufgetreten?  Es gibt Fragen, auf die wir keine Antworten haben.

Wenn wir unsere Grenzen wahrnehmen, verstehen wir besser, wer wir sind und wie wir leben sollen. Verstehen, dass wir nicht uns selbst gehören und grenzenlos über uns verfügen können. Dass da Einer ist, der vor allem war und nach allem sein wird: der lebendige Gott, der Schöpfer von „Himmel und Erde“. Dass da Einer vor der Tür steht und geduldig anklopft. „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an. Wer mir die Türe öffnet, zu dem werde ich hinein gehen und Gemeinschaft mit ihm haben.“ (Die Bibel). Da steht der Urheber, der „Besitzer“ des Universums, vor mir, in grosser Sehnsucht nach Gemeinschaft mit mir. Als Bittsteller. Er rennt die Türe nicht ein.

Dieser grosse Eine beseitigt diese Krise nicht mit einem Fingerschnippen, aber er möchte unsere Sorgen, unsere Verzweiflung und Einsamkeit in Quarantäne und Lockdown mittragen.

Sehen Sie, ich habe vor einigen Jahrzehnten in grosser Auswegslosigkeit diese Tür in einem Gebet geöffnet. Seither ist dieser Eine (Jesus) in mein Leben gekommen und bei mir. Auch wenn ich manchmal nichts von seiner Nähe spüre, ist er da. Auch in dieser Krise. Das Virus kann mich immer noch treffen, mir sogar das Leben kosten, aber ich bin nicht allein. Einer ist da, der mich kennt, der mir nahe sein will, trotz all meiner Grenzen. Er ist da, nicht weil ich ein „Kirchenspringer“ bin, sondern weil ER ein für alle Mal alles geregelt hat für mich – und für alle, die ihm die Türe öffnen.

Die Corona-Zeit als Chance wahrnehmen?

Hansjörg Baldinger

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Die Lindor-Kugeln im Grossverteiler sind zu eindrücklichen Hügeln aufgehäuft, Früchtekorb reiht sich an Früchtekorb, und die Adventsbier-Kartons türmen sich zu wehrhaften Mauern auf. Wir sind vorbereitet.

Wir sind vorbereitet, als wäre es wie immer.

Aber es ist nicht wie immer. Können wir überhaupt feiern? Was gibt es denn dieses Jahr zu feiern?

Ja, was gibt es denn zu feiern?

Feiern hat mit Fröhlich sein zu tun, mit Innehalten, mit sich Besinnen, mit Dankbarkeit. Dazu wäre Weihnacht (die geweihte, besondere Nacht) eigentlich eine gute Gelegenheit. Aber das Wort haben wir längst ersetzt durch „Frohe Festtage!“. Doch auch an einem Festtag freut man sich über etwas. Worüber denn?

Ach, wenn doch die niedliche Story vom „Jesulein süss“ nur ernst zu nehmen wäre. Aber das mit Joseph und Maria, dem Esel und der Futterkrippe kann doch nicht wahr sein!?

Im Sinne juristischer Unschuldsvermutung muss man die Frage umkehren: Warum soll es nicht wahr sein?

Nachdem moderne Naturwissenschaften glaubwürdig nachgewiesen haben, dass unsere „Naturgesetze“ jederzeit, ohne Vorwarnung, von aussen verändert werden können, sollten wir nicht mehr reflexartig ausschliessen, dass der Heilige Geist ganz ohne Joseph ein Kind in Maria zeugen konnte.

Dazu kommt: Warum sollten Menschen vor 2000 Jahren Mühe und Kosten auf sich genommen haben, eine so „undenkbare“ Geschichte zu erfinden und dann noch aufzuschreiben? Warum sollten sich Menschen wegen einer so ungewöhnlichen Geschichte vor den Augen sensationshungriger römischer Menschen von wilden Tieren zerreissen lassen und nicht einfach ihrem Glauben abschwören, um ihre Haut zu retten? Warum lassen nicht wenige Christen auch heute noch ihr Leben für diesen Jesus?

Wir müssen die Frage umkehren: Warum soll die biblische Weihnachtsgeschichte nicht wahr sein und für Sie und mich grösste Bedeutung haben?

Wenn, dann bekommen Früchtekörbe und Adventsbier plötzlich einen tieferen Sinn: Ich kann mich freuen und dankbar sein, dass ich nicht verloren auf diesem blauen Planeten durch dieses kalte, bedrohliche Universum schlingere. Dann kann ich mich beruhigen, dass auch dieses unsichtbar winzige Virus-Ding zwar mein physisches Leben echt bedrohen, aber niemals das ewige Leben rauben kann. Dann bekommt die auf der Zunge zergehende Schokoladekugel auf einmal eine tiefere Bedeutung: Denn nicht weniger berührend ist die Liebe des Herrn dieses Universums, der sich Ihnen und mir u.a. in diesem kleinen Kind der Maria nähert.- *

In diesem Sinne „Fröhliche Weihnachten!“

Hansjörg Baldinger

* Siehe Matthäus-Evangelium 1+2 und Lukas-Evangelium 1+2

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